Staatenlosigkeit
Der erste Aspekt, den wir ausgewählt haben und von dem Flüchtlinge zumeist betroffen sind, ist die Problematik der Staatenlosigkeit. Welche Konsequenzen sich für Ausgegrenzte daraus ergeben, fasst Bauman wie folgt zusammen:
“Sind die Flüchtlinge erst einmal jenseits der Grenzen ihres Heimatlandes, fehlt ihnen der Rückhalt durch eine anerkannte Staatsmacht, die ihnen Schutz gewähren, ihre Rechte verteidigen und sich bei fremden Regierungen für sie verwenden könnte” (Bauman 2005, 107).
Handlung des ausgewählten Filmbeispiels
Nach seiner Landung auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy kommt Viktor Navorski zum Schalter der US-Einreisebehörde und will dort sein Visum abholen, welches die zuständige Beamtin ihm jedoch verweigert, da sein Heimatland Krakosien derzeit nicht von den USA anerkannt wird und sein Pass somit die Gültigkeit verloren hat. Die Beamtin erklärt Viktor, er habe das falsche Formular, und lässt ihn ein Neues holen, um ihm anschließend mitzuteilen, dass sie ihm momentan kein Visum erteilen könne, da er keine Staatsangehörigkeit besitze. Navorski resigniert vorerst und verlässt niedergeschlagen den Schalter.
Diese Szene wurde von uns als exemplarisches Beispiel ausgewählt, da hier aufgezeigt wird, welche Behandlung “Ausgestoßenen”, kaum jenseits der Grenzen ihres Heimatlandes, zukommt. Da aufgrund des Kriegsausbruchs in Navorskis Heimatland keinerlei diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Krakosien mehr bestehen, gilt Navorski vorerst als staatenlos und besitzt den Status eines Ausgestoßenen und Unerwünschten, was er am Ende dieser Szene selbst klar zum Ausdruck bringt, indem er sich selbst als schlichtweg “inakzeptabel” bezeichnet und somit die Einreisebeamtin erlöst, die vergeblich nach einem passenden Wort für seinen derzeitigen Status sucht, aber die Wahrheit nicht derart unmissverständlich auszusprechen vermag.
In der ausgewählten Szene wird ebenfalls offensichtlich, wie ein Staatenloser von einer Administration, hier den US-Einreisebehörden, schikaniert und vorgeführt wird und wie Navorskis von Dixon konfiszierter Pass ein unlösbares Problem herauf beschwört, auch wenn es natürlich im Charakter der Komödie liegt, dass die Vorführung und Schikane in Gestalt einer hübschen und charmanten Beamtin erfolgt. Dennoch wird Navorskis Rechtlosigkeit und Hilflosigkeit deutlich skizziert: “Mr. Navorski, ohne gültiges Visum kommen Sie nicht nach New York und ohne einen Pass bekommen Sie kein Visum und ohne Staatsangehörigkeit bekommen Sie keinen neuen Pass, das heißt, wir können hier nichts für sie tun”.
Der Zuschauer kann in dieser Szene ebenfalls die Allmacht der staatlichen Bürokratie erkennen, die schon den Staatsangehörigen das Leben erschwert, aber für Ausgestoßene, wie staatenlose Flüchtlinge
es sind, noch in viel größerem und unlösbarerem Umfang eine Hürde darstellt, da diese in der Regel Sprache und Gepflogenheiten des Aufenthaltslandes nur ungenügend beherrschen. Auch in The Terminal wird der Aspekt des Nichtbeherrschens der Sprache berücksichtigt. So spricht Navorski im ganzen Film gebrochen und unvollständig, wie beispielsweise im Falle der Übergabe eines an die Beamtin, als er der Beamtin ein grünes – dennoch falsches – Formular gibt, woraufhin sie ihn erneut abweist, er sich aber zu wehren versucht: “Ich Ihnen gebe hellgrün.”
Des Weiteren lässt sich ebenda wunderbar erfassen, wie die Administration die Betroffenen akribisch und bürokratisch ausgeprägt in eine Sackgasse laufen lässt, aus der es letztlich kein Entrinnen gibt. Keine Botschaft, kein Konsulat leistet Hilfestellung, gibt Rückendeckung oder nimmt sich der Probleme an. Der Ausgestoßene, hier symbolisiert durch Navorski, spürt schmerzlich den fehlenden Rückhalt eines Staates und bleibt darüber hinaus allein gelassen zurück, was in dieser Szene dadurch umgesetzt wird, dass Navorski deutlich sichtbar für den Zuschauer mit hängendem Kopf und trauriger Miene den Schalter verlässt.
- Zum Film Terminal




