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	<title>Verworfenes Leben &#187; Tor zum Himmel</title>
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	<description>Modernisierungstheorie im Film</description>
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		<title>Nutzlosigkeit vs. Kriminalität</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jan 2010 13:08:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruge Wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tor zum Himmel]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus der Tatsache, dass Flüchtling und andere homines sacri von der &#8220;normalen&#8221; Bevölkerung ferngehalten werden sollen, zieht Bauman den Schluss, dass eine Eingliederung dieser Menschen in die Gesellschaft nicht erwünscht ist, da ein Bleiben nicht vorgesehen ist:
&#8220;Flüchtlinge sind menschlicher Abfall, der dort, wo er eintrifft und vorübergehend aufhält, keine nützliche Rolle einzunehmen und in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus der Tatsache, dass Flüchtling und andere homines sacri von der &#8220;normalen&#8221; Bevölkerung ferngehalten werden sollen, zieht Bauman den Schluss, dass eine Eingliederung dieser Menschen in die Gesellschaft nicht erwünscht ist, da ein Bleiben nicht vorgesehen ist:</p>
<blockquote><p>&#8220;Flüchtlinge sind menschlicher Abfall, der dort, wo er eintrifft und vorübergehend aufhält, keine nützliche Rolle einzunehmen und in der neuen sozialen Umgebung weder die Absicht noch die realistische Aussicht auf Assimilation oder Eingliederung hat &#8221; (Bauman 2005, 110).</p></blockquote>
<p>So stehen die Flüchtlinge vor der Aufgabe, ohne staatliche Hilfe eine Arbeitsstelle zu finden, um zumindest genügend Geld zur Sicherung des eigenen Überlebens zu verdienen. Diese Suche treibt sie dabei oftmals in die Situation, eine illegale Arbeitsstelle anzunehmen oder, wie im Beispiel des vorliegenden Films, nur für Unterkunft und Verpflegung zu arbeiten.</p>
<p><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben//wp-content/vids/tzhjob.flv" title="tzhjob.flv">tzhjob.flv</a></p>
<p><em>Inhalt der Sequenz</em></p>
<p>Alexej kommt gerade aus Russland auf der Ladefläche eines Wäschetransporters am Flughafen an. Der Schlepper Dag entdeckt ihn und fordert 1.000€ für sein Schweigen. Als er feststellt, dass Alexej nicht genügend Geld besitzt, bietet er ihm eine Arbeitsstelle an. Nach einem Schnitt sehen wir, wie Dag Alexej begutachtet und seine Eignung einschätzt. Im weiteren Gespräch werden die &#8220;Vertragskonditionen&#8221; ausgehandelt: Nach einem Jahr Schwarzarbeit für Dag soll Alexej gefälschte Papiere erhalten. Die Wahl der Arbeitsstelle geschieht dabei nach dem Kriterium der Ähnlichkeit: Alexej bekommt die Stelle eines verstorbenen &#8220;Klienten&#8221; Dags, der ihm ähnlich sieht.</p>
<div id="attachment_179" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/nvk1.png" rel="lightbox[42]"><img class="size-medium wp-image-179" title="Alexej kommt am Flughafen an" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/nvk1-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Alexej kommt am Flughafen an</p></div>
<p>In der vorliegenden Sequenz wird ein Aspekt thematisiert, der zeigt, dass einem Flüchtling genau wie dem homo sacer, der Rückhalt einer staatlichen Macht fehlt. Dadurch, dass er keine Kontakte in Deutschland hat und illegal eingereist ist, ist Alexej, ähnlich wie Viktor Navorski aus <span style="font-family: Garamond; font-size: 12pt;">The Terminal,</span> zunächst einmal inakzeptabel. Ohne die richtigen Papiere ist er der Gunst Dags vollkommen ausgeliefert und zur Schwarzarbeit verdammt. Dass die Aussicht des Schleppers für ein Jahr Arbeit in seinen Diensten gefälschte Papiere sind, unterstreicht diese Tatsache noch: Es sind die Papiere, die es den staatlichen Institutionen ermöglichen, Alexej als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und somit als legitimiert für einen dauerhaften Aufenthalt und auch für eine dauerhafte (legale) Arbeit zu betrachten. Würden wir Baumans Thesen zuspitzen, könnten wir anhand dieser Filmsequenz sagen, es seien die Papiere, die die Grenze zwischen Legalität und Illegalität ziehen, wodurch auch diverse Probleme der Flüchtlinge auf den in<a title="homo sacer" href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/der-homo-sacer/"> Kapitel 2 </a>beschriebenen Aufbau von Ordnung zurückzuführen wären.</p>
<div id="attachment_187" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/01/nvk7.png" rel="lightbox[42]"><img class="size-medium wp-image-187" title="Alexej erhält &quot;seinen&quot; Ausweis" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/01/nvk7-300x169.png" alt="Alexej" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Alexej erhält &quot;seinen&quot; Ausweis</p></div>
<p>Während des Films erhält Alexej seine Papiere jedoch nicht, sodass er die im vorherigen Filmbeispiel beschriebene Notunterkunft beziehen und sich fortan vor der staatlichen Autorität – in persona des Grenzschutzes – verstecken muss. Solange er den Status als Flüchtling besitzt, hat er – so suggeriert es der Film auf diese Weise – keine Chance, in die Gesellschaft eingegliedert zu werden. Im Gegenteil: Der Staat als inkorporierte Autorität der Gesellschaft<span style="color: red;"><br />
</span>versucht, mit den ihm zur Verfügungen stehenden Mitteln, Alexej und andere homines sacri von seinem Territorium zu entfernen.</p>
<p>Ebenfalls angedeutet wird in der Filmsequenz das Verhalten internationaler Schlepper-Banden, für die ein Mensch, genauer gesagt, sein Transport, nur ein Produkt darstellt. Die Methoden, derer sich die Banden bedienen, sind dabei im Illegalen verortet. So besteht eine Tätigkeit Dags darin, Papiere zu fälschen und somit die staatliche Autorität zu untergraben. Für Bauman stellt diese Form des Handelns im globalen Raum allerdings keine Ausnahme dar: &#8220;Alles Handeln im globalen Raum folgt (planvoll oder von allein) den Mustern, die früher mit Mafia-Gruppen oder mit Rechtsbruch im Stil der Mafia assoziiert wurden&#8221; (Bauman 2005, 93). Bauman bezieht dieses Zitat auf die Handlungen transnationaler Unternehmen und anderer globaler Akteure, die keine Veranlassung sehen, sich einem, wie auch immer geartetem, internationalen Recht unterzuordnen. Ein Weltrecht sei – so führt Bauman in Anlehnung an Hauke Brunkhorst aus – immer eine &#8220;Herrschaft ohne Herrscher&#8221;, in der niemand für die Einhaltung des Gesetzes sorgen könne. Folgt man dieser Lesart, kann die Existenz von Schlepperbanden als Resultat der Globalisierung angesehen werden. Für das einzelne Individuum, das sich diesen Banden gegenüber sieht, stellt sich der fehlende Schutz durch einen Staat allerdings als fatal heraus.</p>
<div id="attachment_181" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/nvk3.png" rel="lightbox[42]"><img class="size-medium wp-image-181" title="Verhalten der Schlepperbanden" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/nvk3-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Verhalten der Schlepperbanden</p></div>
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		<title>Heimatlosigkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 13:09:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruge Wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tor zum Himmel]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon in The Terminal haben wir anhand einer Sequenz diskutiert, wie die Flüchtlinge mit einem Gefühl der Heimatlosigkeit fertig werden müssen. Bauman beschreibt dieses als ein zermürbendes Gefühl:
&#8220;Selbst wenn sie sich vorübergehend an einem bestimmten Ort aufhalten, sind sie dabei auf einer Reise, die nie zu Ende gehen wird, denn ihr Zielort […] bleibt für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon in <span style="font-family: Garamond; font-size: 12pt;">The Terminal</span> haben wir anhand einer Sequenz diskutiert, wie die Flüchtlinge mit einem Gefühl der Heimatlosigkeit fertig werden müssen. Bauman beschreibt dieses als ein zermürbendes Gefühl:</p>
<blockquote><p>&#8220;Selbst wenn sie sich vorübergehend an einem bestimmten Ort aufhalten, sind sie dabei auf einer Reise, die nie zu Ende gehen wird, denn ihr Zielort […] bleibt für immer unbestimmt, während ihnen der Zugang zu einem Ort, den sie ‚endgültig&#8217; nennen könnten, für immer unerreichbar bleibt. Das zermürbende Gefühl, sich an jedem ihrer Wohnorte im Übergang, in der Unbestimmtheit und in einem Provisorium zu befinden, wird sie niemals loslassen&#8221; (Bauman 2005, 108).</p></blockquote>
<p><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben//wp-content/vids/tzhkeinsichererort.flv" title="tzhkeinsichererort.flv">tzhkeinsichererort.flv</a></p>
<p><em>Inhalt der ausgewählten Sequenz<br />
</em></p>
<p>Wir sehen Alexej und Nisha in dem geheimen Versteck, in dem Alexej mit seinen Mitarbeitern haust. Einer von Alexejs Kumpanen kommt herein und schreit aufgeregt: &#8220;Sie haben Amadu&#8221;. Bevor Alexej weitere Nachfragen stellen kann, schrillt die Alarmglocke, wodurch die Ankunft zweier Polizisten signalisiert wird. Im letzen Moment gelingt es den Insassen des Verstecks, sich zu verbergen, und zwei uniformierte Beamte betreten den Raum. Nach einem kurzen Blick in den Raum und der Feststellung &#8220;hier drin stinkt&#8217;s erbärmlich&#8221; wollen sich die beiden abwenden. Bevor sie jedoch gehen, stellt einer der beiden Beamten fest, es rieche nach russischem Essen. Der Schlepper, der das Quartier zur Verfügung stellt, kann sie  jedoch davon überzeugen, der Geruch entspringe einem Lüftungsschacht aus der nahe gelegenen Kantine. Bevor die Beamten den Raum verlassen, zeigt noch eine Einstellung, wie die illegal auf dem Flughafen Lebenden in dem Lüftungsschacht eingezwängt sind und darauf hoffen<span style="color: red;">,</span> nicht entdeckt zu werden.</p>
<div id="attachment_200" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h4.png" rel="lightbox[44]"><img class="size-medium wp-image-200" title="Eingezwängt im Lüftungsschacht" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h4-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Eingezwängt im Lüftungsschacht</p></div>
<p>Was an dieser kurzen Sequenz deutlich wird, ist die schlechte Wohnsituation der (illegalen) Einwanderer, die die Bezeichnung &#8220;Wohnung&#8221; nicht verdient. In vielen Naheinstellungen ist neben den handelnden Charakteren auch immer eine Wand oder ein durch das Zimmer laufendes Rohr zu sehen, wodurch die Enge des Raumes visuell erfahrbar gemacht wird. Unterstrichen wird diese durch die &#8220;Inneneinrichtung&#8221; des Raumes: Eigentlich als Wartungsraum für die Lüftungsschächte gedacht, wird der größte Raum von Maschinen eingenommen. Platz für persönliche Gegenstände ist nicht vorhanden. Die Tatsache, dass nur Hängematten als Nachtlager dienen, unterstreicht den provisorischen Charakter des Zimmers: Es muss bei Alarm möglichst schnell geräumt werden können.</p>
<div id="attachment_197" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h1.png" rel="lightbox[44]"><img class="size-medium wp-image-197" title="h1" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h1-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Alarm</p></div>
<p>Eine solche Situation tritt in der hier vorliegenden Szene auch ein. Die Alarmglocke schrillt, die Zimmerinsassen verstauen schnell ihre Hängematten und flüchten sich in einen Lüftungsschacht. Einer der Flüchtlinge ruft verärgert &#8220;nicht schon wieder&#8221; – eine solche Situation scheint also durchaus zum Alltagsleben zu gehören. Sehr früh stellt einer der hereinkommenden Beamten fest, es stinke &#8220;erbärmlich&#8221; in dem Raum, wodurch der schon visuell erfahrenen schlechten Wohnsituation eine olfaktorische Information hinzugefügt wird, die sich gut in das Bild der Lage einfügt.</p>
<p>Im Folgenden wird zwischen den Beamten und der Perspektive der im Lüftungsschacht eingeschlossenen Flüchtlinge hin und her geschnitten. Dabei nimmt das Gitter des Lüftungsschachts in beiden Perspektiven eine zentrale Rolle ein. Aus der Perspektive der Beamten sehen wir es vor den Flüchtlingen, aus der Perspektive dieser erleben wir das Gitter als eine Einschränkung des Sichtfeldes, wodurch der Eindruck des &#8220;Gefangen-Seins&#8221; entsteht.</p>
<div id="attachment_199" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h3.png" rel="lightbox[44]"><img class="size-medium wp-image-199" title="Die Perspektive der Flüchtlinge" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/h3-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Die Perspektive der Flüchtlinge</p></div>
<p>Das Zimmer der Flüchtlinge wird auf diese Weise als ein Ort inszeniert, der nicht nur ein Provisorium darstellt, sondern darüber hinaus auch einen einsperrenden Charakter hat und so die Flüchtlinge – wie schon anhand von <span style="font-family: Garamond; font-size: 12pt;">The Terminal</span> besprochen – von der Bevölkerung fernhält.</p>
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		<title>Menschen als Produkte</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 13:10:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruge Wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tor zum Himmel]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Im Zeitalter der Globalisierung entwickeln sich die ‚Kollateralschäden&#8217; und Kollateralopfer&#8217; […] allmählich zu den (zugleich voluminösesten) Hauptprodukten der Abfallindustrie&#8221; (Bauman 2005, 125).
Für die Schlepperbanden sind Menschen, wie oben schon angedeutet, nur Produkte, die es zu transportieren gilt. Dabei legen die Banden ein menschenverachtendes Weltbild an den Tag, das Individuen, die an ihrem angestammten Ort nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Im Zeitalter der Globalisierung entwickeln sich die ‚Kollateralschäden&#8217; und Kollateralopfer&#8217; […] allmählich zu den (zugleich voluminösesten) Hauptprodukten der Abfallindustrie&#8221; (Bauman 2005, 125).</p></blockquote>
<p>Für die Schlepperbanden sind Menschen, wie oben schon angedeutet, nur Produkte, die es zu transportieren gilt. Dabei legen die Banden ein menschenverachtendes Weltbild an den Tag, das Individuen, die an ihrem angestammten Ort nicht mehr erwünscht sind, nur als ‚Kollateralschaden&#8217; des Globalisierungsprozess ansieht und aus ihrem Elend Profit schlagen will. Bauman geht dabei so weit, den Banden das Verhalten mittelalterlicher Viehbarone zu attestieren und ihre Tätigkeit als die einer &#8220;Abfallindustrie&#8221; zu bezeichnen, mit dem Unterschied, dass ihr Tätigkeitsfeld kein Abfall im eigentlichen Sinne der Bedeutung ist, sondern aus menschlichen Individuen besteht.</p>
<p><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben//wp-content/vids/tzhschmuggeln.flv" title="tzhschmuggeln.flv">tzhschmuggeln.flv</a></p>
<p><em>Handlung der Sequenz</em></p>
<p>Alexej kommt in Dags Büro und bittet ihn, den Sohn Nishas nach Deutschland zu schmuggeln. Dag weicht dabei von seinem Preis von 4.000€ nicht ab, und Alexej erklärt sich schließlich bereit, eine Hälfte des Preises für Nisha zu übernehmen. [Die nachfolgende Sequenz wurde von uns herausgeschnitten, da sie inhaltlich irrelevant ist]. In der folgenden Sequenz sehen wir Dag und Nisha in einer Kantine des Flughafens sitzen. Nisha fühlt sich sichtlich unbehaglich. Bei der Geldübergabe schiebt sie das Geld zunächst über den Tisch, wird von Dag aber dahingehend berichtigt, das Geld unter dem Tisch zu überreichen. Anschließend bittet er sie um ein Foto ihres Sohnes und fordert Nisha zum Gehen auf.</p>
<div id="attachment_192" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/b2.png" rel="lightbox[45]"><img class="size-medium wp-image-192" title="Geldübergabe" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/b2-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Geldübergabe</p></div>
<p>In dieser Sequenz gewährt der Film <span style="font-family: Garamond; font-size: 12pt;">Tor zum Himmel</span> einen Einblick in die Arbeitsweise von Schlepperbanden. Schon das Gespräch zwischen Alexej und Dag lässt die menschenverachtende Arbeitsweise dieser Organisationen zu Tage treten. Die Frage, wen er schmuggeln soll und welches persönliche Schicksal hinter dem Individuum steht, ist für Dag irrelevant. Ob es nun um einen kleinen Jungen oder einen Erwachsenen geht, ist deshalb nicht von Bedeutung, da die Bestechungsgelder, die er zahlen muss, für beide die gleiche Höhe haben. Der Preis ist folglich eine simple Frage der Aufwendungen und folgt einer Logik, die von normalen Produktkalkulationen bekannt ist.</p>
<p>Als Nisha Dag schließlich das Geld überreicht, offenbaren sich beide Seiten des Geschäfts. Nisha ist unsicher. Ihre Arme sind eng an den Körper angelegt, sie wirkt sehr unruhig. Körpersprache und Mimik machen deutlich, dass es sich für sie um eine nichtalltägliche Situation handelt, was auch durch die Unkenntnis über die richtige Form der Geldübergabe gestützt wird.</p>
<div id="attachment_191" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/b1.png" rel="lightbox[45]"><img class="size-medium wp-image-191" title="Nisha ist unsicher" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/b1-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Nisha ist unsicher</p></div>
<p>Dag liefert dazu eine Kontrastfolie. Er wirkt ruhig und entspannt. Als Nisha ihm das Geld über den Tisch reicht und später erst nach der zweiten Bitte den Tisch verlässt<span style="color: red;">, </span>wird er unruhig. Durch dieses Verhalten wird offensichtlich, dass er in dieser Art, Geschäfte zu tätigen, genügend Erfahrung gesammelt hat, um die Regeln zu kennen und die Nichteinhaltung dieser als lästig zu erkennen. Die Ruhe, mit der Dag über das Schicksal eines kleinen Jungen entscheidet und dieses allein von seinem ökonomischen Vorteil abhängig macht, lässt erahnen, was Bauman meint, wenn er von Flüchtlingen als &#8220;Hauptprodukte der Abfallindustrie&#8221; spricht.</p>
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		<title>Generelle Kultur des Misstrauens</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 13:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruge Wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tor zum Himmel]]></category>

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		<description><![CDATA[Anhand der nun folgenden Sequenzen des Films lässt sich eine weitere Vignette der Theorie Baumans illustrieren: die generelle &#8220;Kultur des Misstrauens&#8221;, die Flüchtlingen, sozial Schwachen und anderen &#8220;unerwünschten Individuen&#8221; entgegen gebracht wird. Für Bauman erfüllen die ausgegrenzten Individuen in der Moderne die Funktion eines Sündenbocks. Anstatt auf die wirklichen Probleme der Globalisierung zu reagieren, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anhand der nun folgenden Sequenzen des Films lässt sich eine weitere Vignette der Theorie Baumans illustrieren: die generelle &#8220;Kultur des Misstrauens&#8221;, die Flüchtlingen, sozial Schwachen und anderen &#8220;unerwünschten Individuen&#8221; entgegen gebracht wird. Für Bauman erfüllen die ausgegrenzten Individuen in der Moderne die Funktion eines Sündenbocks. Anstatt auf die wirklichen Probleme der Globalisierung zu reagieren, die Bauman vor allem in dem Verhalten transnationaler Konzerne sieht, ist es &#8220;viel opportuner und zweckmäßiger, den Staatsfeind Nummer eins unter den unglücklichen Bewohnern der <em>banlieus</em> und der Asylbewerberlager auszumachen&#8221; (Bauman 2005, 91). In diesem Kontext spricht Bauman von einem neuen &#8220;Big Brother&#8221;, der die gesellschaftlich unerwünschten Individuen überwachen soll. Im Gegensatz zum klassischen Big Brother im orwellschen Sinn besteht seine Funktion jedoch nicht darin, die Inklusion von Individuen in eine Gesellschaft zu gewährleisten, sondern darin, den Ausschluss unerwünschter Individuen auf Dauer zu sichern (vgl. Bauman 2005, 187 – 189).</p>
<p>Eine Form dieses neuen Big Brothers lernt der mittlerweile nach Deutschland geschmuggelte Sohn Nishas in Form des Grenzschutzes kennen.</p>
<p><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben//wp-content/vids/tzhasyl.flv" title="tzhasyl.flv">tzhasyl.flv</a></p>
<p><em>Inhalt der Sequenz</em></p>
<p>Eine Kamerafahrt durch das Büro des Grenzschutzes endet an dem Tisch eines Beamten, der sich gerade damit beschäftigt<span style="color: red;">,</span> Nishas Sohn die gewünschten Antworten zu entlocken. Dabei diktiert er seinen Bericht und kommt aufgrund der Tatsache, dass dieser seine Fragen nicht beantworten kann, zu dem Schluss, er stelle &#8220;eine Gefahr für die Bundesrepublik Deutschland&#8221; dar. Während er die Worte spricht, wird in einer Halbnahen auf Nishas Sohn geschnitten. Im Folgenden ordnet er die Verweigerung der Einreise an, worauf der als Vertreter des Jugendamts fungierende Anwalt Einspruch erhebt, welcher abgelehnt wird. Die Tür öffnet sich, wodurch der Junge einen Blick auf ebenfalls draußen sitzende Inderinnen bekommt, die ihm &#8220;Asyl&#8221; zuraunen. Er spricht das Wort nach. Der Beamte fragt daraufhin nach seinem Vornamen und Nachnahmen. Der Junge wiederholt mangels Sprachkenntnis die Worte seines Nebenmannes, woraufhin der Anwalt einen Übersetzer fordert.</p>
<div id="attachment_203" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/g2.png" rel="lightbox[46]"><img class="size-medium wp-image-203" title="&quot;Eine Gefahr für die Sicherheit&quot;" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/g2-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Eine Gefahr für die Sicherheit&quot;</p></div>
<p>Die Sequenz zeigt zweierlei Facetten der Theorie Baumans. Einerseits wird der Nationalstaat als eine Form inkorporierter Ordnung inszeniert, die sich darin zeigt, dass der Beamte, der ihn repräsentiert, bei der Bearbeitung seines Falls unabhängig vom Klienten einen vorgegebenen Ablaufplan durchgeht und bei seinem Bericht fortlaufend die Paragraphen benennt, die sein Handeln rechtfertigen.</p>
<div id="attachment_205" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/g4.png" rel="lightbox[46]"><img class="size-medium wp-image-205" title="Der personifizierte Bürokratie" src="http://wolfgang-ruge.name/studienarbeiten/verworfenes-leben/wp-content/uploads/2010/02/g4-300x169.png" alt="" width="300" height="169" /></a><p class="wp-caption-text">Der personifizierte Bürokratie</p></div>
<p>Dass er einen kleinen Jungen als Sicherheitsrisiko einschätzt, verleiht der Sequenz eine gewisse Komik, verweist andererseits aber auf die oben angesprochene generelle &#8220;Kultur des Misstrauens&#8221;, von der Bauman spricht. Nishas Sohn muss sich, genau wie die anderen Asylbewerber erst einmal als vertrauenswürdig erweisen und steht, bevor dies geschehen ist, unter dem Generalverdacht, ein Sicherheitsrisiko zu sein – Misstrauen steht vor der Unschuldsvermutung. Am Flughaufen sitzen der alte Big Brother und der neue &#8220;in den Paßkontrollstellen […] Seite an Seite. Der einzige Unterschied zwischen beiden besteht darin, daß der neue äußerst penibel die Ausweise der Einreisenden prüft, während der alte die Dokumente der Ausreisenden (eher oberflächlich) prüft&#8221; (Bauman 2005, 188). Im Falle fehlender Ausweise müssen sich Einreisende wie Nishas Sohn einer genauen Prüfung unterziehen. Dass in dieser Prüfung die Frage nach dem Namen des Jungen ganz am Ende steht, ist bezeichnend und kann als Beleg für Baumans Thesen gesehen werden. Menschen, die Asyl beantragen, sind in der Baumanschen Terminologie dem &#8220;menschlichen Abfall&#8221; der Moderne zuzuordnen. Als solcher bedürfen sie &#8220;keiner feinen Unterschiede und subtilen Nuancen&#8221; (Bauman 2005,111), wie sie ein Name machen würde.</p>
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