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	<title>Wolfgang Ruge &#187; Pädagogik</title>
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		<title>Die toten Dichter leben – oder: Der Pädagogen-Film</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 16:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wruge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwelt und Medienbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Glaubt man einer Folge der Simpsons hat „Der Club der toten Dichter“ eine ganze Lehrer Generation unbrauchbar gemacht. In wieweit dies zutrifft kann und will ich an dieser Stelle nicht erörtern, sicher erscheint mir jedoch, dass der Film zumindest das Bild vom Pädagogen im Kino nachhaltig geprägt hat. Es ist ein Erzählmuster entstanden, dass ich mangels besserer Ideen für die Bezeichnung als „Pädagogenfilm“ benenne. Die Filme die ich diesem Muster zuordne sind unterschiedlichen Genres zuzuordnen, wobei man im groben eine ernste (Drama) und eine komische Variante (Komödie) unterscheiden kann, wie die folgende kurze Aufzählung zeigt:</p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Club_der_toten_Dichter" title="Der Club der toten Dichter" target="_blank">Der Club der toten Dichter</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Club_der_toten_Dichter" title="Der Club der toten Dichtre" target="_blank"> (Drama, 1989)</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sister_Act" title="Sister Act" target="_blank">Sister Act (Komödie, 1992)</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/High_School_High" title="High School High" target="_blank">High School High (Komödie, 1996)</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/School_of_rock" title="School of Rock" target="_blank">School of Rock (Komödie, 2003)</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mona_Lisas_Lächeln" title="Mona Lisas Lächeln" target="_blank">Mona Lisas Lächeln (Drama, 2003)</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kinder_des_Monsieur_Mathieu" title="Die Kinder des Monsieur Mathieu" target="_blank">Die Kinder des Monsieur Mathieu (Drama, 2004)</a></li>
</ul>
<p><span id="more-20"></span><br />
Wer die Filme kennt, weiß, dass diese sich auf dem ersten Blick sehr stark unterscheiden. Und Deloris alias Schwester Mary Clarence als Pädagogen zu bezeichnen, mag ebenso seltsam erscheinen. Doch sowohl im ersten als auch im zweiten Teil, wird die Geschichte einer Frau erzählt, die ihren Schützlingen nicht nur Dinge lehrt (singen) sondern auch die Sichtweise ihrer SchülerInnen auf sich selbst und die Welt verändert. Die Narration folgt auch in Sister Act einem bestimmten Schema, das sich für alle Pädagogenfilme konstatieren lässt.</p>
<h3>Die Narration</h3>
<p>Die Narration des Pädagogenfilms verläuft chronologisch. Man kann sie auch als Hollywoodmuster deuten, weil die Hauptfigur/der Pädagoge immer Schwierigkeiten zu überwinden hat. Die Geschichte folgt dabei folgendem Ablauf:</p>
<ol>
<li>Ein unerfahrener Pädagoge kommt in eine Lehrumgebung, die sich durch festgefahrene (meist behavioristisch geprägte) Strukturen auszeichnet.</li>
<li>Mit Begeisterung für sein Fach schafft er seine SchülerInnen ebenfalls zu begeistern.</li>
<li>Ein Schüler (Der Schützling, mehr dazu in Personen) findet trotz großen Talents keinen Zugang zum Thema.</li>
<li>Der Schützling wird trotz (zumeist familiärer) Probleme zum Mitmachen animiert.</li>
<li>Die Unterrichtsmethoden des Pädagogen stoßen auf Widerspruch beim Vorgesetzen.</li>
<li>Trotz Auseinandersetzungen mit dem Vorgesetzen, verbucht der Pädagoge einen Erfolg und hat seine Schüler gelehrt und gebildet.</li>
<li>(Nicht immer, aber fast immer): Der Pädagoge muss seine Wirkungsstätte verlassen. Oftmals unfreiwillig. Dennoch bleibt er „Sieger“.</li>
</ol>
<h3>Die Personen</h3>
<p>Auch in der Personenkonstellation finden sich im Pädagogenfilm konstanten. Folgende Charakterbeschreibung  treffen auf fast jeden Pädagogenfilm zu:</p>
<p><strong>Der Pädagoge<br />
</strong>Die Hauptperson ist pädagogischer Laie. Seine Lehrtätig ist oftmals seine erste und im Kollegium ist er eine der Jüngsten. Dementsprechend besitzt er eine andere Auffassung vom Lehren als seine älteren Kollegen. Während diese die Schüler oftmals als junge Menschen sehen, die es behavioristisch zu formen gilt, sieht die Hauptperson seine Aufgabe darin, seine Schüler für das Thema zu begeistern.</p>
<p>In „Der Club der toten Dichter“ ist es John Keating, der als junger Lehrer an der erzkonservativen Welton Akademie lehrt. Seine Aufgabe besteht eigentlich darin, den Schülern ein Analysemodell beizubringen, dass Gedichte auf einer Punkteskala bewertet. An der Schule scheint das Modell unangefochten zu gelten. Keating ist der einzige Lehrer, der seine Schüler zum eigenen Denken auffordert, erleben statt verstehen scheint sein Motto zu sein.</p>
<p>Mary Clarence zieht sich in „Sister Act“ den Zorn ihrer Vorgesetzten zu, indem sie dem Chor seine klassischen Lieder etwas moderner interpretieren lässt. Clément Mathieu in dem Internat indem er zum ersten Mal eine Stelle auf Aufseher antritt, der einzige der seine Schutzbefohlen nicht als potentielle Straftäter zu sehen scheint und auf andauernde Bestrafungen verzichtet.<br />
Das Thema mit dem die Schüler begeistert werden ist oftmals ein künstlerisches. Die Gedichte im „Club der toten Dichter“, die Musik in „Sister Act“, „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ und „School of Rock“.</p>
<p><strong>Der Schützling</strong></p>
<p>Eine weitere Person, die immer wieder auftaucht, ist die des Schützlings. Wie es die Natur der Dinge so will ist einer der Schüler besonders begabt. Bei Monsieur Mathieu ist es der Rebell Morhange, der eine besondere Stimme hat. Der Club der toten Dichter ist von Neil Perrys Schauspielkunst begeistert. In High School High ist es Griff McReynolds der intelligenter zu sein scheint als die übrigen.</p>
<p>Charakteristisch für den Schützling ist es, dass er selbst mit seinem Lehrer die Faszination für das Thema teilt, aber aus persönlichen oder familiären Gründen daran gehindert wird, dieser nachzugehen. Neils Vater hält Schauspielerei für brotlose Kunst, Morhange ist ständig reglementiert und Griff McReynolds kämpft mit seiner kriminellen Vergangenheit.</p>
<p><strong>Der Vorgesetzte</strong></p>
<p>Komplettiert wird das Personenexempel von dem Vorgesetzten. Dieser leitet seine Einrichtung mit – in heutigen Maßstäben – veralteten, teilweise schülerunwürdigen, Methoden. Ob es Schuldirektorin Evelyn Doyle in „High School High“ oder Rachin der Leiter des Internats in dem Mathieu seinen Dienst tut sind, sie alle stellen den geistig unbeweglichen Gegenpart zu den „modernen“ Methoden des „jungen“ Pädagogen dar.</p>
<h3>Das Setting</h3>
<p>Der Pädagogenfilm spielt in einer (Lehr- und Lern-) Umgebung die von ihrem Umfeld abgeschottet ist. Oftmals nicht nur gesellschaftlich sondern auch geographisch. In „Sister Act“ muss Dolores in einem Kloster untertauchen. In „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ und „Der Club der toten Dichter“ spielt die Handlung in einem Internet. Das Wellesley College in „Mona Lisas Lächeln“ ist ebenso exklusiv wie die Privatschule in „School of Rock“. Lediglich in „High School High“ ist die Schule allen zugänglich. Jedoch wird sie fast nur von Kindern aus dem sozial schwächeren Milieu frequentiert und von außen gemieden, erweist sich also auch als geschlossene Umgebung.  Eine Analyse von Mise en Scene und Kinematographie erspare ich mir an dieser Stelle. Das hier ist ein Blogbeitrag und keine Hausarbeit <img src='http://wolfgang-ruge.name/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<h3>Was bildet?</h3>
<p>Die letzte Frage, die ich im diesem Beitrag beantworten möchte, ist welches Verständnis von Lernen, Lehren und Bildung im Pädagogenfilm vorherrscht.  Die Antwort ist einfach: Bildung bedeutet Irritation. Ein junger Lehrer kommt in ein junges Kollegium und irritiert seine Schüler mit neuen Methoden, anderen Sichtweisen als seine Kollegen. Dabei ist sein Bezugspunkt (fast) immer die Alltagswelt seiner Schüler. Carpe Diem heißt das Motto von John Keating. <a href="http://www.uni-magdeburg.de/didaktik/cms/" title="Aufgaben statt Lösungen" target="_blank">Eine Aufgabe – keine Lösung</a>.</p>
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