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	<title>Wolfgang Ruge &#187; Artikulation</title>
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	<description>kleiner Denker mit großer Stirn</description>
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		<title>Bildung in Metern? – oder: Die Blogosphere stöckelt.</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2008 15:51:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wruge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwelt und Medienbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Artikulation]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspotenziale]]></category>
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		<description><![CDATA[In der deutschen Blogosphere scheint gerade ein neuer Trend zu entstehen. Die Blogger werfen sich gegenseitig Stöckchen zu und nehmen diese auf. Als Stöckchen wird dabei ein Fragenkatalog bezeichnet. Dieser variiert sowohl im Umfang der Fragen als auch in der Länge der zu erwartenden Antworten. Es gibt Stöckchen, die „nur“ Top 4 – Listen erwarten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der deutschen Blogosphere scheint gerade ein neuer Trend zu entstehen. Die Blogger werfen sich gegenseitig Stöckchen zu und nehmen diese auf. Als Stöckchen wird dabei ein Fragenkatalog bezeichnet. Dieser variiert sowohl im Umfang der Fragen als auch in der Länge der zu erwartenden Antworten. Es gibt Stöckchen, die „nur“ Top 4 – Listen erwarten (u.a. gefunden bei <a title="4er - Stöckchen" href="http://bueltge.de/4444-stoeckchen" target="_blank">Frank Bültge</a>), Stöckchen, die sich mit dem (Schul-) Bildungsweg des Autors auseinandersetzen (u.a. bei <a title="Bildungsstöckchen" href="http://www.basicthinking.de/blog/2008/08/20/bildungsfragen/" target="_blank">Robert Basic</a> {}), Stöckchen, die sich mit dem Bloggen an sich befassen und vieles mehr. Es gibt nun mehrere Arten, dieses neue Phänomen zu betrachten.</p>
<h3>1.)  Stöckchen als Ausdruck von Gruppendynamik</h3>
<p>Eine Möglichkeit, die Stöckchen zu erklären, sind gruppendynamische Prozesse. Aus dem Kindergarten und aus den frühen Schuljahren kennt wohl jeder das typische Kennenlernspiel: Man setzt sich in einen Kreis und wirft sich einen Ball zu. Derjenige, der den Ball bekommt, muss eine vorher gestellte Frage beantworten.</p>
<p>Die Stöckchen sind erst einmal nur die digitale Version dieses Spiels. Die Blogosphere holt das vergessene einander vorstellen nach. Der Ball aus der „Offline-Version“ der Stöckchen, wird dabei durch Track- oder Pingbacks ersetzt. Viele Stöckchen enthalten einen „Blogger, an die ich das Stöckchen weiterreiche“ – Teil. Wenn man diese verlinkt, senden die modernen Blogsysteme automatisch eine Benachrichtigung an den entsprechenden Blogger. Das hat gegenüber dem Ball einen entschiedenen Vorteil: Man kann das Stöckchen an mehrere Personen senden.</p>
<h3>2.) Stöckchen als selbstreflexive Artikulation</h3>
<p>Neben dem kennenlernen hat das Stöckchen werfen und aufnehmen noch eine weitere Funktion. Sie sind die genormte Version dessen, was <a title="BJ - Bloggen als Artikulation" href="http://joerissen.name/medienbildung/microblogginglifelogging-revisited/" target="_blank">Benjamin Jörissen</a> als Selbstreflexivitätspotenzial beschreibt:</p>
<p style="padding-left: 30px">Doch geht es in der Blogosphere doch sehr häufig &#8211; neben der Präsentation von Neuigkeiten und der Weitergabe zumeist detaillierterer Informationen &#8211; um artikulierte und einigermaßen elaborierte Äußerungen. Sie gehen mit einem gewissen Zwang einher, die Blogbeiträge „repräsentativ“ in Bezug auf die eigene Persönlichkeit (bzw. das, was man jeweils davon präsentieren möchte), zu gestalten &#8211; letztlich ist es eine Form der Selbstbeobachtung aus der Perspektive eines unsichtbaren Publikums, welche die Blogbeiträge zu performativen Selbstinszenierungen werden lässt (und ich glaube, das trifft für die meisten von Personen geführten Blogs, auch die professionellen, zu). Kurz: Weblogs sind in aller Regel reflexive Artikulationen. Reflexive Äußerungen nehmen zu einem Thema oder einem Sachverhalt Stellung, und sie verhalten sich in dieser Stellungnahme immer, wenn auch zumeist implizit, zu sich selbst. Sie werden dann auch als reflexive Äußerungen aufgefasst, was die ausgedehnte Kommentierungskultur in der Blogosphere erklärt.</p>
<p>Wie in dem Zitat schon deutlich wird, trifft dieses Selbstreflexivitätspotenzial auch auf „normale“ Blogbeiträge zu. Jedoch ist es m.E. bei fachbezogenen Beiträgen leichter, die Selbstinszenierung zurückzustellen. So wirkt z.B. das Weblog von Vladimir Simovic, auf mich weniger als eine Selbstinszenierung oder –reflexion, sondern vielmehr wie eine Reflexion über die Entwicklung des Blogsystems WordPress und die Konsequenzen dieser Entwicklung für die WordPress-Nutzer. So möchte ich festhalten: Bloggen an sich, enthält Selbstreflexivitätspotenziale, kann aber auch rein fachlich genutzt werden.</p>
<p>Die Stöckchen führen durch die Normierung des folgenden Beitrags dazu, dass der Blogautor sich oftmals zu persönlichen Dingen äußern muss. Ob nun in Top 4  &#8211; Listen oder epischen, wenn nicht gar epochalen, Antworten – der mit Stöckchen beworfene Blogger muss selbstreflexive Prozesse in Gang setzen und diese Artikulieren. Ich möchte sagen, das Selbstreflexivitätspotenzial wurde und wird durch die Blogosphere normiert und überführt so das Selbstreflexivitätspotenzial in einen Selbstreflexivitätszwang. Denn ein Stöckchen zu ignorieren, gehört wohl kaum zum guten Ton (Kleine Anmerkung am Rande: Hat eigentlich schon mal jemand so etwas wie eine Blogiquette formuliert?).</p>
<p>So werden sich die Blogger weiter mit Stöckchen beschmeißen und sich so zur Selbstreflexion zwingen. So kann man vielleicht bald Bildung in Metern messen &#8211; oder in Hämatomen.</p>
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