Am letzten Wochenende haben Christopher Könitz und ich das Educamp in Hamburg besucht. Dieses war die Reise mehr als Wert. Da die schon verfassten Beiträge (eine Übersicht findet sich hier) und insbesondere der am stärksten diskutierte Beitrag von Jean-Pol Martin in meinen Augen ein falsches Licht auf das Camp werfen und einige Aspekte noch nicht beleuchtet wurden, möchte ich auch noch einige Worte verlieren. Der Blick ist subjektiv, natürlich nur ein Einzelfall. Er ist hangelt sich bewusst ein Kleinigkeiten entlang, um die Veranstaltung nicht auf ein einziges Event zu verengen.
Beginnen möchte ich mit einem obligatorischen, aber dadurch nicht weniger verdienten, Lob für die Organisatoren der Veranstaltung. Soweit ich als normaler Gast dieses beurteilen kann, lief die Veranstaltung reibungslos ab. Für das leibliche Wohl der Gäste war gesorgt: Obst und kalte Getränke gab es gratis. Darüber hinaus erhielt man an jedem Tag drei Gutscheine für warme Getränke und für ein Mensaessen. Das ganze funktionierte ohne einen Unkostenbeitrag und wurde allein durch Sponsoren finanziert. Für die geistige Ertüchtigung war durch ein Angebot von über 50 Sessions gesorgt. Dieses war ausgesprochen vielseitig. Es manchmal war es schade, dass man sich für eine vier zeitgleich angebotenen Sessions entscheiden musste. Für die von mir besuchten Sessions kann ich ausnahmslos großes Lob aussprechen.
In der Session zum Cloud Computing blieb am Ende leider kaum Diskussionszeit, der Vortrag war aber sehr lehrreich und didaktisch sehr gut aufbereitet. Die von Helge Städtler vorgestellte Methode des Kobotio Dispatching sollte insbesondere in technikaffinen Studiengängen öfters mal am Seminar anfange stehen. Ein persönliches Highlight war die Doppelsession zur Bildungsforschung 2.0, die insbesondere den Forschungsinteressierten in mir angesprochen hat (Ein längerer Beitrag zur Session findet sich bei Tamara Bianco und Mandy Schiefner). Es war sehr interessant zu sehen, wie der Begriff „Bildungsforschung“ in unterschiedlichen Fachbereichen mit Inhalt gefüllt wird und das dahinter, wie mir in einer Session zu Forschungsmethoden am nächsten Tag deutlich wurde, nicht nur andere Vokabeln, sondern auch gänzlich unterschiedliche Forschungslogiken stehen. Ein x.0 stand auch am Ende meines Tages mit einer Session zur Literaturarbeit x.0, die unter anderem dank der regen Beteiligung von Anne Christensen und Lambert Heller sehr interessante Diskussionen bot (Auch die anderen Teilnehmer waren sehr engagiert und eröffneten mir neue Perspektiven, ich habe nur bisher von ihnen keine Webseiten gefunden, die ich hier verlinken kann. Also wer auch in die Aufzählung möchte: einfach schreien).
Nach einem leckerem, aber leider viel zu reichlichen Essen beim türkischen Restaurant um die Ecke, ging es weiter zum Abendprogramm, welches wir dank der kompetenten Führung von Lisa Rosa auch fanden. Ihrer Aufforderung am Samstagabend durchzumachen und morgens auf den Fischmarkt zu gehen, konnte ich leider nicht umsetzen. In der “Luba Luft” (So der schöne Name der Kneipe) habe ich dann von Sebastian erfahren, dass die Hamburger magdeburger Begeisterung über die Schönheit der Hamburger Unigebäude nicht nachvollziehen können.
Generell habe ich den ganzen Tag mit vielen Praktikern, Forschern und denen, die solche werden wollen, eine Diskussion auf Augenhöhe geführt, die von einem freundlichen, antiautoritären aber dennoch respektvollen Umgang miteinander geprägt war. Wenn also in den Blogbeiträgen auf einen Gegensatz zwischen „den Forschern“ und den „Educamp natives“ gesprochen wird, frage ich mich, wo dieser Gegensatz spürbar war. Der Samstag und die „legendäre“ Podiumsdiskussion bekommen einen eigenen Beitrag, aber erst morgen samstag…

danke für diese sicht auf das edu-camp. als außenstehender video-konsument, habe ich mich bislang ja nur auf jean-pols beitrag hin an der diskussion beteiligt. und da auch noch andere sichtweisen wahrnehmen zu dürfen, ist angenehm.