Wolfgang Ruge

kleiner Denker mit großer Stirn

A long way north oder wie ich lernte die Bombe zu hassen

6. September 2008

Schon der Titel dieses Blogbeitrages mag seltsam erscheinen. Da vermische ich Abwandlung eines Nick Hornby Titels mit der eines Kubrick-Films. Auch der Beitrag selbst weicht etwas von den Gepflogenheiten dieses Blogs ab. Es geht mal nicht um Medien, Macht und Moral sondern ganz einfach um meinen Versuch von Magdeburg nach Cuxhaven zu fahren.

Die Geschichte beginnt gestern um 13:07 am Magdeburger Bahnhof Neustadt. Es geht in über Uelzen bis Harburg. Der Regionalexpress bis Uelzen hat ein bisschen Verspätung, die er aber aufholt. In Uelzen wird von einen Fahrplanänderung des Metronoms gesprochen. Mir ist es egal, der ME nach HH fährt pünktlich vom richtigen Gleis ab. Der sächselnde Zugführer hat war hörbar schlechte Laune, aber noch bin ich im Plan.

15:50 komme ich in Harburg an. Alles im Plan. Ich hole mir schnell ein Brötchen beim Bäcker, ab zu Gleis Nr. 6 und in den Metronom nach Cuxhaven. Ein paar Minuten Verspätung hat dieser auch, aber nichts Beunruhigendes. Sitzplätze gibt es natürlich nicht mehr, aber das bin ich ja gewöhnt. Der Zug kommt in Neu-Wulmsdorf zum stehen. Nun werden sich sicherlich viele Leser fragen Neu-Was? Neu-Wulmsdorf, ein Vorort von Hamburg eigentlich nur S-Bahn-Haltestelle. Ich denke mir noch nichts böses, vielleicht klemmt wieder das Stellwerk in Buxtehude, das gab es schon öfter. Nach 10 Minuten kommt jedoch eine Durchsage. In Buxtehude hat es jemand Geschafft sein Auto auf die Gleise zu manövrieren und nun ist die Strecke auf unbestimmte Zeit erst einmal gesperrt. Wir bitten um Ihre Geduld. Jeder der schon einmal Bahn gefahren ist kennt es. Für die Raucher wird die vorderste Zugtür geöffnet, nachdem sich der halbe Zug durch alle Abteile gequält hat, entschließt man sich alle Türen freizugeben. Nach ungefähr 30, vielleicht auch 40 Minuten kommt die nächste Meldung: Die Bergung verzögere sich. Alle Passagiere werden gebeten auszusteigen und auf den Schienenersatzverkehr zu warten. Also Alle raus aus dem Zug. Der Metronom fährt zurück nach HH. Nach weiteren 40 Minuten kommt die Meldung: Das Auto ist von den Schienengeräumt. Die Strecke ist frei. Es wird keinen Ersatzverkehr geben. Der Metronom würde aber in ca. 20 Minuten wieder da sein. Also zurück zum Bahnhof.

Nein, dies ist nicht das Ende der Geschichte. Den es kommt kein Metronom. Ein anwesender Polizist, der mehr Durchblick hat als eine allein zurückgelassene Metronommitarbeiterin, telefoniert und weiß daraufhin mehr: Das Auto auf den Gleisen hat wohl einen Blindgänger freigeräumt. Die Strecke ist auf unbestimmte Zeit gesperrt. Es würde in nächster Zeit Schienenersatzverkehr kommen. Also wieder raus aus dem Bahnhof. Nachdem sich in einer halben Stunde nichts tut, geht ein Großteil zu der nächsten Bushaltstelle. Richtung Neugraben kommen 3 Busse. Richtung Buxtehude: Nichts. Ein Versprengter hat es aus Neugraben bis Neu-Wulmsdorf geschafft. Offensichtlich stehen in Neugraben wohl tausend Leute. Da seit ungefähr um 4 Uhr die Strecke von Hamburg Richtung Buxtehude-Stade-Cuxhaven vollgesperrt ist, glaube ich, dass es mehr als tausend in Neugraben stehen werden.

Zwischen viertel nach sieben und halb acht geschieht das Wunder: Ein Bus Richtung Buxtehude kommt. Ja, wirklich nur einer. Nach über 3 Stunden hat man es geschafft einen Bus von Hamburg nach Neu-Wulmsdorf zu schicken. Also wenn man gut zu Fuß wäre und ohne Gepäck reisen würde, wäre man zu Fuß wahrscheinlich schneller in Buxtehude gewesen. Da viele mittlerweile ein Taxi genommen haben oder sich abholen lassen haben, passen auch fast alle in den Bus. Ab nach Buxtehude. Dort kommt dann immerhin eine S-Bahn bis Stade, die – voll bis an die Decke – ohne weitere Pannen durchfährt. In Stade holen mich dann meine Eltern ab. Auf den Metronom Richtung Cuxhaven hätte ich noch 40 Minuten warten müssen. Insgesamt dauert meine Fahrt von Hamburg-Harburg nach Cuxhaven 6 Stunden, von Magdeburg aus bin ich 9 Stunden unterwegs.

Bei allem Verständnis für die Schwierigkeit der Situation – es passiert immerhin nicht alle Tage, dass ein Autofahrer sein Vehikel auf die Gleise stellt und eine Bombe freiräumt – in Zeiten in denen mobile Telekommunikation kein Problem ist, kann es nicht sein, dass man so lange braucht, um einen lauffähigen Schienenersatz-Verkehr zu organisieren zwischen Hamburg und Buxtehude zu organisieren. Denn im Gegensatz zu der Berliner Meinung ist Buxtehude nicht der „Arsch der Welt“ sondern noch sehr nah am Hamburg.

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