Die Öffnung der sozialen Netze – Vision oder Illusion
19. November 2007Soziale Netze als Trend bzw. Hype
Soziale Netzwerke sind der Trend schlechthin im Internet. Ob Facebook, Myspace, Bebo, StudiVZ oder Googles Orkut: Die Nutzerzahlen steigen. Sozialität im Web ist zum Milliardengeschäft geworden. Auch im wissenschaftlichen Kontext spielen Soziale Netze mittlerweile eine große Rolle, das JCMC widmete Ihnen sogar eine Sonderausgabe.
Die rasante Entwicklung dieses Trends hat viele Fragen aufgeworfen, wie z.B. die Frage in wie weit die Nutzer Anteil an Wertsteigerungen von Sozialen Netzwerke haben und in wie weit sie von dieser profitieren sollten. Diese Frage möchte ich in diesem Beitrag nicht beantworten und nur auf einen Dialog zwischen Martin Deuze und Trebor Scholz verweisen.
Weitere Frage die soziale Netzwerke aufwerfen, sind Fragen nach Datenschutz und Privatsphäre. Diese Fragen sind noch nicht beantwortet, schon stürmt die nächste Entwicklungswelle heran. Soziale Netzwerke werden offen.
Open Social
Großes Aufsehen in diesem Bereich erhielt die „Open Social” – Initiative bei der Google federführend ist. Was im Medienrummel unterzugehen scheint: Open Social ist eine Programmierschnittstelle, eine API, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Anwendung sorgt keinesfalls für eine Vernetzung der Netzwerke, sondern ermöglicht lediglich Entwicklern eine Applikation zu entwickeln, die in allen Netzwerken laufen soll. Open Social öffnet also lediglich ein Netzwerk für Drittanbieter, aber nicht für andere Netzwerke (vgl. dazu: Basic Thinking). Der Nutzer wird wenig von der Neuerung mitbekommen. Die Omnipräsenz Googles im Web erscheint zu selbstverständlich, um noch Aufmerksamkeit zu erreichen.
Jimmy Wales
Open Social wird die sozialen Netze kurzfristig nicht für die Nutzer öffnen. Die Erkenntnis hat sich noch nicht allgemein durchgesetzt, schon kommt die nächste Meldung. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zeigt Screenshots seines neuen Projekts. Das ganze sieht Facebook sehr ähnlich. Schon munkelt man in der Blogosphäre: Wales plant ein offenes soziales Netzwerk. (siehe u.a. Medienkonvergenz). Wales dementiert solche Gerüchte. Da noch keine Beta-Version oder ähnliches online ist, ist es mir nicht möglich das Projekt einzuschätzen.
Selbst wenn ein Facebook-Konkurrent entsteht, so wird er mit anderen sozialen Netzen wohl kaum kommunizieren.
NoseRub
Eine Betaversion ist allerdings von NoseRub zu finden. Hinter dem Projekt steht Dirk Olbertz. Ein Deutscher der von der amerikanischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Zwar wird das Projekt im populären deutschen Blog „Basic Thinking” mittlerweile öfters erwähnt, aber auf den großen Newsseiten wie Heise.de gab es noch keine Meldung.
Olbertz bezeichnet Noserub als „Social Aggregator”. Dabei ist das Programm eine Entwicklung, die einem offenen Sozialen Netzwerk am nächsten kommt. Der Nutzer kann seine Aktivitäten in verschiedenen Web 2.0 – Angeboten zu einem „Social Stream” kombinieren. So kann der Nutzer seine Aktivitäten von Flicker, Facebook und vielem mehr zu Einem zusammenfügen und in seinem Profil anzeigen lassen. Das ganze bietet meiner Meinung nach ähnliches Potential wie Yahoo Pipes. Eine Freundesliste gehört zu NoseRub natürlich auch dazu. Doch ist das System wohl mehr als Pipes + Freundesliste. Das besondere an NoseRub ist, dass jeder Nutzer es auf seinem, mit entsprechenden Anforderungen ausgerüsteten, Webspace installieren kann. Das Netzwerk läuft dezentral.
Noch ist NoseRub in mehren Punkten etwas hakelig zu bedienen, was angesichts des frühen Betastadiums kaum verwundert.
Eine wirkliche Verbindung der Netze schafft aber auch NoseRub nicht. Eine Synchronisation von Freundeslisten ist z.B. nicht möglich.
Vision oder Illusion
Um zu meiner Eingangsfrage zurückzukommen. Ist die Öffnung der sozialen Netze eine Illusion oder eine Vision. Die aktuelle Debatte um Öffnung von sozialen Netzen ist eine Illusion, keine der Entwicklungen lässt die Netzwerke miteinander kommunizieren und öffnet sie für die Nutzer, macht sie also wirklich offen. Soziale Netzwerke sind und bleiben erstmal „walled Gardens”. Hinter all diesen Bemühungen steht jedoch eine Vision – die vielleicht in den nächsten Jahren Wahrheit werden wird.













